Anwar

Aus Das letzte Kapitel
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Anwar
Anwar1.png
Volk:Stygier
Clan:Ankh-en-set
Alter:20
Augenfarbe:hellbraun
Haarfarbe:schwarz
Größe:175 cm
Gewicht:80 kg
Besonderheiten:Peitschennarben auf dem Rücken, Narbe durch ein Seil rings um den Hals, shemitisches Brandzeichen auf dem linken Oberschenkel
Gesinnung
Religion:Set & Pantheon
Aussehen

Ein junger Mann mit mandelförmigen, hellbraunen Augen. Die hohen Wangenknochen, die lange, schlanke Nase und das spitze Kinn sind typisch scharfgezeichnete Gesichtszüge, die ihn als Stygier kennzeichnen. Er ist mit hohen Wuchs gesegnet und von drahtiger, schlanker Gestalt. Die sehnigen Muskeln sind hauptsächlich an den Oberarmen ausgeprägt. Der Körper wurde geformt durch Arbeit und nicht durch Kampf. Die Beine hingegen sind lang und dünn. Die gebräunte Haut trägt die Spuren seines bisherigen Lebens. Die Hände sind schwielig und rau, weisen gar kleine Schnittnarben auf. Der Rücken wurde ihm einst durch eine Peitsche aufgerissen. Die Wunden verheilten zu wulstigen Narben. Um den Hals herum sieht man eine helle Narbe, die von einem Seil oder einem Eisenring stammt. Noch deutlicher verrät ein Brandzeichen seine Vergangenheit. Auf der Innenseite befindet sich ein eingebrannter Kreis und darin das shemitische Wort "Sklavin". (Bewusst in der weiblichen Form.)


  • hellbraune Augen
  • schwarzes Haar, zur Zeit abrasiert
  • hohe Wangenknochen
  • schlanke, lange Nase
  • drahtig, sehniger Körper; von Arbeit geformt
  • wulstige Narben von Peitschenhieben auf dem Rücken
  • Narbe eines Seils oder Eisenringes um den Hals
  • Brandzeichen auf dem linken, inneren Oberschenkel; shemitisches Wort in einem Kreis: Sklavin


Vorgeschichte

Mit einem Schrei kommen wir auf die Welt. Die Luft eines neuen Lebens füllt zum ersten Mal unsere Lungen. Und wir schreien als würden wir ahnen welches Leid die Welt für uns bereithält. Haben wir geschrien als das Land hinter den grünen Schleiern uns in einem neuen Leben empfing? Oder waren wir stumm? Haben wir geschrien als wir unsere Stellung, unsere Familie, unsere Leben hinter uns gelassen haben? Oder waren wir stumm im fremden Land der Strafe und Qual? Wir, die am Kreuz hingen.

Alles in mir schreit nach diesem alten Leben. Ich würde meine Seele geben um wieder das schreiende Kind in den Armen meiner Mutter zu sein. Mein einfaches, altes Leben.

Ich war ein Arbeiter. Am Ufer des Flusses Styx kultivierte ich Papyrus, fertigte Papyrusbögen und flocht Körbe. Ich verkaufte die Waren auch auf dem Markt. Und wenn ich nicht genügend verkaufte, dann half ich auf den Feldern aus um das Schilf zu ernten. Es war ein schlichtes Leben. Mit meinen achtzehn Jahren hatte ich immer noch keine Frau. Ich fühlte mich noch nicht bereit dafür und auch keine der Frauen im Dorf weckte mein Interesse oder irgendwelche Regungen in mir. Meine Mutter war eifrig dabei ein Mädchen für mich zu finden, wünschte sie sich doch viele Enkelkinder. Sie selbst war nur mit mir gesegnet oder besser gesagt gestraft. Sie betet viel zu ihren Fruchtbarkeitsgöttinen um ihren Schoß nochmals mit der Empfängnis zu segnen, die ihr seit meiner Geburt nicht mehr geschenkt wurde. Meine Mutter sagte mir es sei eine Strafe der Götter, dass sie so viel Blut verlor und einen Sohn bekam, der sich Frauen nicht zu wendet. Sie weiß nicht warum sie gestraft wurde, auch ich weiß es nicht.

Ihr Eifer steckte mich trotz ihrer Bemühungen nicht an. Ich habe selten gebetet. Vielleicht ist das Exil nun meine Strafe, so wie ich die Strafe meiner Mutter war. Denn ich weiß nicht warum ich am Fluss verschleppt wurde, als ich im Schatten saß und meine Körbe band. Ich weiß nicht warum ich ans Kreuz gebunden wurde. Der Wille der Götter, weil ich kein Leben schenke und die Fähigkeit meiner Mutter nahm? Doch ich weiß, dass mich das pure Böse fand. Ein Mann aus Shem. Ein Grabräuber, der meine Fesseln durchschnitt, um sie gegen Eisen zu tauschen. Er lehrte mich was Qualen sind. Wenn ich aus fremden Gräbern und Ruinen die Steine und Ziegel zur Seite räumen musste, damit er seine Schätze finden konnte, war es eine Erleichterung für mich, denn in dieser Zeit spürte ich nur seine Peitsche und nicht seine brutalen Hände auf mir.

Ich weiß nicht warum ich so leiden musste, doch ich weiß, dass ich ein freier Mann war und ich diese Freiheit nicht wieder erlangen werde. Doch bei den Göttern, mächtiger Vater Set, womit ich dich auch gezürnt habe, ich bin geflohen. Ich habe versucht dieser Strafe, unter der Knute des Shemiten, zu entkommen. Bis an einen Fluss trugen mich meine müden Beine im stetigen Lauf. Meine Häscher waren dicht hinter mir. Ich sah den Staub, aufgewirbelt von den Hufen ihrer Pferde, ich hörte ihr Gejohle und die wütenden Schreie. Eine Klippe über einem Fluss versperrte mir meinen Weg. Sie holten auf, zügelten ihre Pferde. Der Shemit lachte, doch ich kannte dieses Lachen, ein Vorbote seiner Wut die mich überkommen würde. Ich wandte mich von ihm ab. Unfähig zu fliehen. Meine Beine wollten mich nicht mehr tragen. Da sah ich sie im Fluss. Wie Baumstämme trieben sie an der Wasseroberfläche, doch die leichten Bewegungen ihrer schuppigen Schwänze verrieten sie. Ich schloss meine Augen, breitete die Arme aus und ließ mich nach vorne fallen über die kleine Klippe hinab zum Fluss. Die Krokodile sollten meinen Leib zerfetzen, auf dass es der Shemit nie wieder kann.

Luft füllte meine Lungen zum letzten Mal, erhoffte ich. Da hörte ich die Schreie. Doch war ich es nicht der im Sturz schrie. Der Shemit und sein Gefolge brüllten vor Panik und Furcht. Ich öffnete die Augen. Die Sonne hatte sich verfinstert. Donner grollte, Sturm und Wind drückten meinen Leib empor, bevor ich die Erlösung durch das Wasser und die hungrigen Mäuler spürte. Wie ein Blatt im Wind wurde ich herum geschleudert, bis Schwärze mich verschluckte.

Die Luft wird mir aus der Lunge gepresst als ich auf weichen Sand stürzte. Die panischen Schreie sind vergangen. Ich bin allein. In einem fremden Land. Luft füllt meine Lungen, ich reiße den Mund auf und lache. Dieses Leben begrüße ich nicht mit einem Schrei.

Ankunft

Stille herrscht zwischen der westlichen Küste und den roten Felsen. Der Gesang der Vögel verstummt, die Zikaden halten inne mit ihrem Brummen, selbst der Wind kommt zu erliegen. Vielleicht lässt die Stille die Gottesfürchtigen und die Ängstlichen erschaudern. Der Himmel verdunkelt sich unter schwarzen Wolken. Der Wind tobt plötzlich auf und jagt Sand, Geäst und jeglichen Unrat in die Lüfte empor. Wellen schlagen auf den flachen Strand. Bläuliche Blitze zerreißen mit ihrem Donnerknall die Stille. Die Wissenden ahnen es. Eine Flut tut sich auf, doch keine die das Meer bringt. Die schwarzen Wolken reißen auf und spucken Körper in dieses Stück Land. Männer, doch auch Pferde und Krokodile wurden von der magischen Flut mit sich gerissen und über den Strand verteilt. Sie stürzen zu Boden, krachend bersten Knochen auf Stein, Leiber versinken im Meer oder retten sich ans Ufer um zu fliehen. Manch ein Körper wird vom Wind erfasst, getragen wie ein Blatt im Wind trudeln sie zu Boden. Darunter ein junger Mann. Die Augen vor Furcht aufgerissen, doch kein Ton dringt aus seinem Mund. Er prallt auf den weichen Sand und rollt sich ab, bis die Gischt des Meeres ihn umspült. Im Sand bleibt er liegen. Erst stöhnend vor Schmerz, dann rollt ein lautes Lachen aus seiner Kehle, das selbst dann nicht verklingt als sich die schwarzen Wolken auflösen und die Vögel ihren Gesang wieder aufnehmen. Er bleibt alleine zurück zwischen toten Pferden und Männern. Wer laufen konnte ist in Unwissenheit über sein Schicksal geflohen.

Die Einsamkeit am Strand blieb ihm nicht lange vergönnt und damit beginnt ein neues Kapitel.


Das neue Kapitel

Hunger und Wut.. Beides sticht in der Körpermitte, lässt den Magen schmerzen und Säure aufstoßen. Empfindungen die sich so ähnlich sind und so unterschiedlich gestillt werden. Ein innerer Schmerz der antreibt zu überleben. Wut und Hunger sind für Anwar fest verbunden seit dem er wie ein Tier gefesselt wurde.  Zwischen Pferden band man ihn an einen Pfahl und man sprach davon ihn wie eines der Tiere zu brandmarken. Als wäre das Gefängnis unter freiem Himmel nicht Qual genug. Am Tag brennt die Sonne herab, unter den spärlichen Bäumen findet man kaum Schatten. In der Nacht wird es bitter kalt durch die Nähe zum Meer. Er sieht das Lagerfeuer, doch die Wärme kommt nicht bei ihm an. Und er sieht das Fleisch, dessen Geruch beim Braten zu ihm herüber weht. Sein Magen verkrampft sich. Er lehnt den Kopf zurück an den Holzpfahl und knirscht mit den Zähnen. Voller Wut und Hunger. Und beides kann er nicht stillen. Seine Gedanken schweifen ab zu dem Geschehnis, dass ihn hier her führte. Dunkle Wolken, ein Sturm. Ein Reiter. Ein junger Mann, mit Augen wie schwarze Gewitterwolken, der sich auf seinem Pferd bewegte als wären sie ein Leib. Er schnitt ihm den Weg ab und lockte Anwar in die vermeintliche Sicherheit einer Siedlung. Eine Siedlung mit eigenen Gesetzen. Die Mauer war kaum passiert und er wurde ihr Gefangener, ein Sklave. Erneut. Das beißende Gefühl im Magen wird zu Verzweiflung. Die Wut ist es die er schüren muss um daraus Kraft zu schöpfen, schreien möchte er, sich los reißen, laufen. Doch die Verzweiflung bleibt. Aus dem inneren Schrei wird ein leises Wimmern. Ihm bleibt nichts als zwischen den Tieren aus zu harren und auf das Schicksal zu warten, dass die Fremden ihm zuweisen werden.

Das Gebet.. „Hier knie ich im Sand eines fremden Landes. Nie habe ich zu euch gebetet. Euch nicht gehuldigt. Hier finde ich zu euch, hier bereue ich. Ich habe eure Strafe im Exil mit Leiden und Qual durchlebt, weil ich euch in eurem Land nicht zugewandt habe. Nun werft ihr mich erneut auf fremden Boden. Das Kind des Styx an meiner Seite, das meine Feinde zwischen seinen Kiefern zermalmte. Ich sehe diese Botschaft und ich sehe die weiteren Leiden die ich durchleben muss. Aber ich werde zu euch finden. Eure Windungen sind unendlich, unergründlich. Ich bin ein Kind unter eurer Sonne, unter eurem Mond. Ein Sohn Stygiens. Ich hörte meine Peiniger euren Tempel erwähnen. Die unendlichen Windungen führen mich zu euch. Ich werde euren Tempel finden. Ich werde euch ewig dienen, huldigen und Opfer darreichen. Ich werde meine Freiheit wieder erlangen. Ich werde ein ehrfürchtiger Sohn Stygiens und des Vaters Set sein. Ich flehe euch an. Gibt mir die Kraft ein stolzer Sohn unter eurer Sonne zu sein. Set ist mächtig.”


Anwar wird von Temun an Nakia verkauft.

Die Erlösung .. "Der Tod wird eine Erlösung sein. Ich werde zurück in den Fluss finden." Es wurde ihm keine Erlösung zuteil. Die hyrkanischen Peiniger verhöhnten ihn mit einer Scheinhinrichtung und zerrten ihn auf den Markt von Talmani, wo er verkauft werden soll. Sein Leben soll er weiter wie ein Tier gefangen sein und leiden. Gefesselt wurde er auf den Marktplatz gezerrt. Er zitterte, fürchtete sein weiteres Schicksal. Beschaut wie Vieh, wie einfache Ware, ein Ding. Geschlagen wurde er bis er auf den Knien im Sand kauerte. Dann hörte er die Stimmen die für ihn einstanden. Seiner Herkunft, seinem Glauben verdankt er es, dass sich sein Schicksal zum Besseren wenden wird. Sanfte Hände, eine tiefe, beruhigende Stimme. Ein Priester seines Gottes Set bringt ihm die Erlösung. "Vater Set hat dich heute in die Hände einer seiner Töchter gegeben. Dein Leiden hat ein Ende mein Sohn. Heute Nacht werde ich um ihm zu danken an deiner statt ein Opfer darbringen. Sag mir, wie lautet dein Name und wessen Eltern Kind bist du?" Die Stimmen um ihm herum verstummen. Er nimmt die vielen Menschen nicht mehr wahr. Selbst Temun, dessen geschundener Körper Anwars Schuld war, ist vergessen, als er dem Priester in die Augen blickt, antwortet und den weiteren Worte lauscht. "Anwar, Sohn des Essam und der Nafit. Ich werde für den großen Vater ein Opfer darbringen, damit er sich um dich kümmert und dein Leiden deinen Peinigern mit doppelter Münze gleichzahlt."




Gebet am Schrein von Yinepu

Der Tempel .. So wie die Sonne langsam über die Berge kriecht, ihre Strahlen auf die Siedlung rieseln lässt, der Wind von Wärme und Geborgenheit flüstert, so langsam sickert auch in Anwars Bewusstsein, dass dies kein Traum ist, keine List. Er mag Eigentum sein, doch dieses Konstrukt der Leibeigenschaft kennt er aus der Heimat. Er wird arbeiten und beweisen, dass er die vielen Goldmünzen wert war und vielleicht eines Tages sich die Freiheit dadurch erkauft haben. Hier scheint niemand zu sein, der ihn einfach aus Lust quält, schlägt und erniedrigt. Ganz im Gegenteil, er wird umsorgt. Und trotzdem legt sich die Unruhe in seinem Geist nicht. Er hat sein Ziel noch nicht erreicht. Die neuen Besitzer sind es, die ihm dies nun möglich machen. Er erhält Kleidung, Münzen und das Recht sich frei zu bewegen. Nur ein Schwert oder ein Pferd wird ihm verboten. Mit einem einfachen Messer, das man wohl in der Küche nutzte, zieht er los in den Süden. Er schickt ein schnelles Stoßgebete an die Götter als er den hellen Stein der Häuser von Murun erblickt. Das Messer hat er auf seiner Reise nicht benötigt, ein Wunder, bei diesem weiten, gefährlichen Weg. Er erklimmt die Serpentinen zum Tempel des Sets. Ein Lächeln des Glücks auf den Lippen als ihn ein Tempeldiener den Weg weist und auch die Geduld hat zu erklären. Am Schrein des Yinepu hält er inne. Er kniet sich nieder und schließt die Augen. Die linke Faust öffnet sich und rohe, grüne Kaffebohnen rollen über den gemusterten Boden zu den Totenschädeln hin. Die rechte Faust ballt sich zusammen und ein leises, ersticktes Fiepsen erklingt, dann das Knacken von dünnen Knochen. Eine tote Wachtel fällt aus der Hand zu Boden. So huldigt er Yinepu, den Herrn des Todes, ein Diener Sets. Auf dass seine Peiniger das Buch der Toten niemals erreichen können, auf dass sie die Antworten an den Toren des Totenreiches nicht wissen. Selbst im Tode sollen sie noch leiden.




Ausruhen nach getaner Arbeit

Das Feld .. Unsichtbare Ketten sind es, dich mich an die Herrschaften Nakia und Shimon fesseln. Auferlegte Ketten denen ich mich beuge durch die Freundlichkeit und Gnade der Herrschaften, denn eine Flucht würde diese Gnade in Rachsucht der Zuagir wandeln. Ich werde die Ketten eines Tages gelöst haben, nicht sprengen, aber sanft durch Arbeit und erwirtschaftete Münzen lösen. Am Fuße der Siedlung, unterhalb des Wasserfalles, habe ich meine Felder erbauen dürfen. Es sind nur wenige Reihen mit noch sehr kleinen, zarten Papyruspflanzen, aber bald schon werden sie zur Ernte bereit sein. Aus den Rinden der Pflanzen flechte ich Matten, Schuhe und Körbe. Diese Gegenstände wird jeder kaufen können. Doch das kostbare Mark, das zu den heiligen Papyri verarbeitet wird, möchte ich nicht in anderen Händen sehen als die der Stygier.





Der Traum von Feuer .. Und alles was ich sah waren Flammen.

Flammen des Zorns und der Wut, unlöschbar und sie fraßen sich immer weiter den schmalen Pfad zu mir hinab. Und die Flammen formten eine Gestalt der Angst und des Schreckens. Ein Krokodil. So groß und mächtig, gefährlich und angsteinflößend wie nie zuvor. Mit einem mächtigen Brüllen, was die Erde erbeben ließ, kam es auf mich zu und mir stockte aus Schreck der Atem. Mein Körper hatte schon davor angefangen zu zittern, doch das jetzt war der blanke Horror. Ich wäre am liebsten im Boden versunken, so viel Angst jagte durch meinen Körper. Immer näher und näher rückte das in Flammen gehüllte Krokodil vor. Bis es schließlich so nahe war, dass ich die Hitze seines röchelnden Atems spüren konnte. Eine Hitze die das Land, das Gras, selbst das Papyrus im Fluss zerstörte. Schwarzer schwerer Ruß sammelte sich auf meinem sowieso schon verschmutzten Shendyt. Ich schluckte und schloss die Augen, um meinem unausweichlichen Schicksal nicht zusehen zu müssen. Mein Gesicht wurde heißer und heißer, je näher das Flammenkrokodil mir kam. Automatisch wich ich mit dem Kopf nach hinten aus, um mein erbärmliches Leben doch noch zu retten. Aber es war zu spät. Das glaubte ich jedenfalls. Aber als das Krokodil mir so nahe war, da hielt es in der Bewegung inne und ich öffnete die Augen. Vor mir stand das riesige Krokodil genährt von Flammen und vorangetrieben von Hass und grenzenloser Rache. Es war so groß, dass es mir direkt in die Augen sehen konnte. Ich blickte in Grüne Augen mit einer senkrechten, schwarzen Pupille hinter denen der Wille eines Mannes loderte, der mein Befreier war. Die Flammen um es herum loderten gelb golden, rot orange, in allen Farben des Feuers. Die Schatten des Umlandes flackerten unaufhörlich. Wieder musste ich schlucken. Ich stand dem Tode so nahe, in diesem andauernden Augenblick und doch fand ich es faszinierend dem Tanz des Feuers zuzusehen. Zuzusehen, wie es die Papyri und alles um mich herum niederbrannte und in Asche aufgehen ließ, war für mich ein purer Adrenalinrausch. Und ich mittendrin wie von einer unsichtbaren Hand geschützt, loderte das Feuer um mich herum. Aber weder verbrannte es mich, noch erstickte ich an dem stetig aufsteigenden schwarzen Rauche.

Und aus einer plötzlichen Intuition heraus streckte ich meine von Ruß geschwärzte rechte Hand aus. Immer weiter dem tödlichen Feuer entgegen, was mir bei nur einer falschen Bewegung mein ach so kostbares Leben nehmen könnte. Doch ich verspürte keine Angst, keinen Grund es nicht zu tun. Nur das brennende Verlangen, dieses Krokodil zu berühren. Um zu wissen, ob unter diesen Flammen ein echtes Tier steckt. Ein Tier aus Fleisch und Blut. Ein Tier, das zum Leben atmen muss oder ein Gott. Das Feuer wich meiner Hand aus und unter den Fingern spürte ich die kühle, schuppengepanzerte Haut. Ich legte auch meine andere Hand an die Seite des Kopfes und merkte, wie der Kopf langsam in meine Richtung sackte. Schwer und unerwartet wie er war, hielt ich sein Gewicht nicht aus. Wir fielen zur Seite weg. Keuchend lag ich nun da, den schweren Krokodils Körper auf mich gebettet. Ich versuchte lange mich zu befreien. Doch all meine Mühen waren vergeblich. So sehr ich mich auch wand und um mich schlug, ich kam nicht frei. Je länger ich dort lag, desto wütender wurde ich. Ich schrie mir meine Seele aus dem Leib, als würde Set mich persönlich im Feuer quälen. Und je lauter ich schrie und desto mehr mein Körper vor Frust bebte, desto höher stießen die Flammen am Körper meines wahrscheinlich toten Kumpanen empor. Höher und höher flackerte das Feuer, ohne mich zu verbrennen. Und immer noch schrie ich, bis meine Stimme ihren Klang verlor und ich, fast völlig entkräftet, aufgab. Ich sackte traurig und müde zusammen und als ich mir diesmal absolut sicher war, meinen letzten Atemzug getan zu haben, da richtete sich mein geglaubtes Todesohmen wieder auf und half mir, ebenfalls auf die Beine zu kommen. Und als ich stand passierte das Unglaublichste, was mir in meinem noch nicht allzu langem Leben je geschehen war. Die Flammen meines Helfers gingen auf mich über und in mir entbrannte ein Hass, der lodernd durch meine Adern floss, alles mit sich riss bis nur noch das Gefühl von Reinheit verblieb. Eine Flamme der Wut verblieb winzig in meinem Herzen, die ich heraufbeschwören konnte um Feinde so wie meine Sünden und mein Leid zu vernichten. Das Krokodil wendete sich herum und kroch über den Boden hinweg davon. Und in Ferne erblickte ich, wie seine Flamme sich erneut entzündete.

Dann öffnen sich meine Augen und langsam sickert das Erwachen in mein Bewusstsein. Es war ein Traum.


Gerüchte ... dürfen nach Belieben von anderen Spielern erweitert und genutzt werden.
  • Ein weiteres Sandkorn in der Wüste. Unbekannt in einem fremden Land. Zu diesem Mann gibt es nicht viel zu berichten.
  • Im Dorf Haqqid spricht sich herum, dass ein stygischer Sklave eingefangen wurde. Er versuchte bereits zu fliehen und rang mit einem jungen Hyrkanier auf dem Boden.
  • Die hyrkanischen Herren Temun und Zayo hatten keinen Nutzen von dem weinerlichen, stygischen Sklaven und verkauften ihn für eine Unsumme auf dem Markt von Talmani. Für diesen einfachen Bauern soll von der Stygierin Nakia beinahe vier Goldmünzen bezahlt worden sein.
  • Der stygische Bauer kam am Tempel des Sets in Murun an. Das letzte Mal, als er tagelang dort verblieb, haben ihn seine Herren wieder eingesammelt und zurück zur Siedlung gebracht. Aber dieses Mal kommt ihn niemand holen.