Die Flut

Aus Das letzte Kapitel
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Disclaimer:
Es handelt sich bei diesem Artikel, oder einem Teil davon, um servereigene Lore. Orientiert wurde sich an den Geschichten von Conan und dem hyborianischen Zeitalter und schließlich auf die Bedürfnisse des letzten Kapitels angepasst. Die hier dargestellten Informationen gehören somit nicht zum offiziellen Universum von Robert E. Howard und seinen Nachfolgern.


Die Flut
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Autor:Urpi
Datum:März 2021
Inhalt:Die erste Nacht
Die Vermissten
Der schwarze Schlund
Die Entwurzelung


Die erste Nacht
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Es ist eine wolkenlose, stille Nacht in den Exillanden. Nur der Wind streicht zwischen den Hügeln des Nordens hindurch, umschmeichelt die Dünen des Südens und fährt rauschend durch die massiven Bäume des Dschungels. Hin und wieder durchbricht das Geräusch eines Tieres das Windrauschen, erfüllt es mit dem Klang von Leben. Kein Mond steht am Himmel, nur abertausende Sterne, welche wie kostbare Edelsteine am schwarzen Himmel funkeln.

Mit einem Mal erstirbt der Wind, Stille breitet sich über das Land aus, wie ein drückendes, erstickendes Leichentuch. Und dann ist zwischen den Sternen etwas, was dort nicht hingehört. Etwas das dem Verstand und dem Wissen der Exilanten trotzt, abergläubische Furcht und urtümliche Ängste auflodern lässt. In der Dunkelheit zwischen den Sternen tobt es, wütet und breitet sich aus. Schleier aus verschlingendem, kosmischen Nichts ersticken das Schwarz des Himmels, dass Hell der Sterne, welche einer nach dem anderen zu erlöschen scheinen. Immer weiter breitet sich das Nichts aus, frisst sich in Minuten über den Himmel und taucht das Land in Finsternis, während Stille jeden Lebenston zu verschlingen scheint.

Und dann bricht das Nichts auf, lodert in einem grellen Schwall hunderter Farben empor. Wie das Augenlid eines gewaltigen Gottes, eines Monsters, eines Dings, öffnet sich ein Riss und füllt das Farbenchaos mit Bildern einer anderen fremden, sturmumtosten Küste. Mächtige Wellen brechen sich schäumend an rauem Fels, während Blitze über den Himmel zucken, sich Bäume im Wind biegen und Gischt über den Strand peitscht. Das tosende Schwarz und Blau des Meeres scheint einen urtümlichen Kampf gegen das Braun und Grün des Landes zu führen. Wie Armeen branden die Naturgewalten gegeneinander, wanken zurück, nur um sich für den nächsten Ansturm zu sammeln. Und darum tobt das Nichts welches den Himmel verschlang, windet sich, zuckt wie ein lebendiges Wesen, scheint mit tentakelartigen Auswüchsen den Riss und die Naturgewalt zu dirigieren, zu lenken. Wie ein krankhafter, wahnsinniger Puppenspieler der seinem Publikum eine verzerrte Realität herbeizaubert. Immer hektischer werden die Bilder, gar ekstatisch scheint das Nichts zu tanzen, bis... der Riss verschwindet. Als hätte jemand die Tür geschlossen und das, was auch immer zwischen den Sternen war ausgesperrt. Für jetzt. Vielleicht für immer? Es dauert ein paar betäubende Sekunden, dann kehrt das Leben wieder zurück. Der Wind frischt auf, Tiere und Menschen scheinen wieder atmen zu können, so als wäre nichts gewesen. Das Leben geht weiter, für manch einen mag die Nacht in Vergessenheit geraten, zu einem Hirngespinst werden, eine Illusion eines trunkenen Geistes, oder die Fantasie eines Wahnsinnigen. Aber andere... mögen auch die nächsten Nächte in den Himmel blicken. Die Sterne zählen, voller Furcht, dass diese wieder verschwinden und stattdessen dort Nichts zu sehen ist.



Die Vermissten
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Vielerorts kündigt ein Hahnenschrei den neuen Tag an, die ersten zaghaften Sonnenstrahlen, welche sich vorsichtig über das Firmament tasten. Im Norden bricht sich das Licht glitzernd auf den Regentropfen der vergangenen Nacht, im Süden locken sie die ersten Echsen hervor, während im Westen der Dschungeldunst geisterhaft durchbrochen wird. Ein weiterer Tag im Exil, Menschen, Tiere und Land erwacht langsam, um seinem Tagwerk nachzugehen.

Doch heute scheint etwas anders zu sein, denn mit einem Mal erstirbt der frische Morgenwind und die Strahlen der Sonne scheinen zitternd innezuhalten, sich nicht weiter hervorzutrauen, so als würden sie das Land fürchten. Manch Blick mag sich in den Himmel heben, verwirrt suchen, warum die Welt der Stille anheimfällt. Und ebendiese verwirrten Blicke werden mit einem unvergesslichem, scheußlichem Anblick "belohnt".

Hoch am Himmel scheint die Luft zu brodeln, zu wabern, sich zu winden wie Maden unter der Haut eines Kadavers. Krampfhaft zuckend scheint die Realität, die Vernunft, gar die Götter selbst den Kampf zu verlieren, bis der Himmel in einer tosenden Kakofonie des Wahnsinns aufbricht und den Blick auf einen anderen, verzerrten Ort freigibt. Eine endlose Schneelandschaft erstreckt sich am Himmel, durchbrochen von zackigen Eisstacheln welche sich spottend, dem Himmel trotzend in die Höhe recken. Schwarze Steine, die den makellosen Schnee durchbrechen, seine stille Reinheit beschmutzen. Gestalten heben sich aus dem Schnee, kaum zu erkennen wirken sie wie die Karikatur von Menschen, ein spottendes Abbild aus den Händen eines manischen Künstlers.

Obwohl das Exil weiterhin in Stille gefangen ist, scheint sich ein Gebrüll aus hunderten, tausenden Kehlen zu erheben, als die Gestalten über den Schnee aufeinander zustürmen, beginnen sich mit bloßen Händen und kaltem Stahl zu zerfetzen. Schatten huschen über den Schnee, roter Lebenssaft benetzt den Boden und Leiber werden unter den Füßen der rasenden Horde begraben. Einen endlosen Augenschlag scheint der Kampf zu dauern, bis das reine Weiß nicht mehr ist und das Bild einer brodelnden, klaffenden Wunde gleicht.

Schlagartig schnappt der Riss zu, schließt sich wie ein Maul, oder ein Auge. Hinterlassen tut er nur einen weiteren, Verstands zersetzenden Moment, als die Stille aufbricht. Wind geht durch die Bäume, Tiere lärmen und der Alltag geht weiter als wäre nie etwas geschehen. Und dennoch kehrt in manche Häuser das Leben nicht zurück. Stille hat sich eingenistet und die Anwesenheit jeden Lebens vertrieben. Eine offene Tür, ein langsam sterbendes Feuer im Herd, oder ein noch dampfender Eintopf sind die letzten Zeugnisse, von dem was einmal war. Niemand scheint zu wissen, warum manche Häuser, oder Höfe auf einmal leer stehen, niemand scheint etwas gesehen, oder gehört zu haben. Und die wenigsten scheinen sich mit einem Zittern in der Stimme darüber zu unterhalten. Sklavenjäger? Eine Krankheit? Oder doch das… Ding zwischen den Sternen?



Der schwarze Schlund
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Schon den ganzen Tag über prasselt schwerer Regen auf das Exil nieder. Begleitet von stürmischem Wind neigen sich die Bäume ächzend auf die Seite, während der Boden mit jedem Augenblick tückischer wird. Sogar der trockene Süden bekommt die schweren Wassertropfen ab, während Windböen Sand und sogar Geröll in Bewegung versetzen. Der dampfende Dschungel, sonst angefüllt mit dem Geschrei hunderter Wesen, liegt unter einer grauen Decke und nur das Trommeln der Wassertropfen erklingt in der Luft.

Die drückende Stimmung, sowie die Erinnerungen an die vergangenen Tage, lassen die Menschen gebückt gehen, furchtvoll in den Himmel blicken und leise zu ihren Göttern und Götzen beten, dass der Schrecken ein Ende nimmt. Dörfer und Höfe sammeln sich Nachts zusammen um in der Gruppe Schutz und Trost zu finden, einsame Seelen verkriechen sich in den Schutz der Bäume, oder einer Erdkuhle. Manch Verzweifelter sucht Sicherheit in den Tempeln, hofft mit großzügigen Spenden die Götter milde zu stimmen, dass Verlorene wiederkehren, oder dass man einfach ihrem Schicksal entgeht. Aber alles betteln und flehen, hoffen und glauben, winseln und weinen scheint vom Regen verschluckt, oder von den tosenden Winden hinfort gerissen zu werden. Denn das, was das Exil aus der Schwärze zwischen den Sternen wie ein kosmisches Raubtier belauert, scheint taub für die Bitten der Menschen zu sein. Ignorant für den Trotz tapferer Streiter. Unantastbar für die Götter selbst. Und so mag es nicht verwundern, dass der Schrecken wiederkehrt...

Mit einem mal erstirbt der Wind und der Regen. Bäume und Regentropfen scheinen für einen Sekundenbruchteil noch in der Luft zu stehen, dann senkt sich unnatürliche, frevelhafte Dunkelheit über das Exil. Nicht die sanfte Decke des Nachthimmels, nein. Ein Himmel an dem nur Schwärze zu sehen ist, weder Mond, Sonne, noch Sterne scheinen sich zu trauen, voller Furcht ihr Licht in dem Nichts zu verlieren. Der ganze Himmel wogt und bebt, wie ein tückisches Meer, ein Schlund, der droht, alles Leben zu verschlingen. Wachsenden Pusteln nicht unähnlich beginnt die Schwärze zu flimmern. Dutzende, unzählbare, unvorstellbare Risse öffnen sich in dem Nichts, manche nur so groß wie eine Faust, andere hingegen groß genug um eine ganze Stadt zu verschlingen. Wie Mäuler schnappen sie auf und zu, während kranke Tentakel windend dem Exil entgegenstrecken, greifen, zupacken und reißen. Türen, Fenster und Dächer bieten keinen Schutz, werden hinfort gerissen und zerschmettert, als die Tentakel die schreienden Bewohner hinfort zerren und sich in die Risse zurückziehen. Wie das Maul eines monströsen Tyrannen, welcher gerade eine köstliche Weintraube verschlingt, schnappen die Risse zu, lassen das Exil in Chaos, Zerstörung und bebender Furcht zurück.

Als wäre nichts gewesen setzt der Regen wieder ein, der Wind frischt auf und die Klarheit kehrt zurück. Das was auch immer sich am Exil gütlich tut... lässt sich nicht erklären. Nicht verstehen. Nicht bekämpfen. Denn wie soll man auch gegen das Nichts zwischen den Sternen bestehen?



Die Entwurzelung
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Die vergangenen Tage ist das Wetter und die Stimmung im Exil düster und gedrückt. Die Sonne wagt sich ebenso selten hinter den schwarzen Wolken hervor, wie die Menschen aus ihren Hütten, oder die Tiere aus ihren Bauten. Schwerer, faulig schmeckender Regen fällt vom Himmel herab, vernichtet die Ernte und den letzten Hoffnungsschimmer diesen Wahnsinn zu überstehen. Mittlerweile sind es nur noch wenige Stimmen die sich flehend an ihre Götter richten, wenige die es wagen den Kopf gen Himmel zu heben, um einen Blick auf die brodelnde Schwärze darauf zu richten.

Ein gleißender Blitz erhellt den Himmel, lässt die Wolken wie ein dunkles Meer aufwiegen und Dämonenfratzen am zerklüftetem Himmelschaos erscheinen. Ein schwerer, ohrenbetäubender Donner folgt, bringt die Berge zum Beben, als er sich grollend über das Exil erstreckt, als formloser Herold eines viel tieferen, unnatürlichen Schreckens. Die Zeit selbst scheint in stiller Verzweiflung zu erstarren, lässt das Land in der grauenvollen Karikatur eines Landschaftsgemäldes verharren, als sich der Himmel für das Wesen dahinter öffnet. Unzählbare, realitätsverspottende Risse öffnen sich, geben die Sicht auf hunderte Orte preis, verzerrt von dem unendlichen Wahnsinn, der Unmöglichkeit ihrer Existenz.

Minuten, vielleicht Stunden vergehen, während sich die Risse öffnen und schließen, dass Exil verhöhnen und in Ungewissheit wiegen. Wie ein grausamer Jäger welche mit seiner Beute spielt, die Furcht schürt und den Verstand vergiftet. Dann, als das Schauspiel am Himmel sich wohl seinem obszönem Höhepunkt nähert, schließen sich die Risse, tauchen das Land in tiefste Schwärze. Ist es vorbei? Ist es überstanden?

Nein. Nein, ist es nicht.

Niederschlagend, willens brechend, grauenvoll öffnet sich der Himmel über dem Exil, als sich ein Riss ungeahnter Größe öffnet, so als wolle er das Land unter sich verschlingen. Das chaotische Farbenspiel in und um den Riss erhellt die Gegend, wirft grelle Lichtblitze auf den Boden und dass, was für diese Risse sorgt. Denn hinter dem Auge in eine andere Welt wiegt und windet es sich, eine formlose Masse aus Augen, Mäulern und Tentakeln, welche greifen, schnappen, starren, die Existenz mit ihrem bloßem Anblick entrücken und verändern.

Und dieser Anblick ist das letzte was viele Bewohner des Exils haben, bevor packende Tentakel, ein kosmischer Sog, oder eine verzweifelte Klinge am Hals das Schicksal besiegelt. Die wahnsinnigen Schreie ersterben nacheinander, werden zu einem Wimmern und dann zu Stille.

Was aus dem Exil wurde, der knisternden Barriere aus alter Magie, den Bewohnern, den Schätzen und den Geheimnissen, denen die in den Rissen verschwanden... es bleibt ein Geheimnis. Vielleicht werden in Zukunft die knochigen Finger eines Gelehrten die Antwort in ein altes Grimoire festhalten, dass Schicksal der Entführten und der Verschonten aufdecken, als erschreckendes, oder glorreiches Finale. Als Mahnmal, Schauergeschichte, Märchen, oder schlichtweg als:

Das letzte Kapitel